ADLER, Hans Günther
Immer inmitten
Immer inmitten, immer inmitten
durch alle Wunderbezirke geschritten,
ferne der Heimat doch nahe dem Born,
was hat nicht die Seele alles erlitten,
bald streift sie im Moose,
bald reißt sie der Dorn,
immer inmitten, immer inmitten.
Immer inmitten, immer inmitten
Zwischen Verzagen und brünstigem Bitten
findet der Mensch sich ins bergende Haus,
langsam vergißt er, was er gestritten,
endigt ihm einmal gespensticher Braus
immer inmitten, immer inmitten.
Immer inmitten, immer inmitten,
kommt schlafend der Tod in das Leben geritten.
Prasselnde Weise, seltsam verklirrt.
Sagen kann niemand, was morgen nun wird:
immer inmitten, immer inmitten.
Die Totenmühle
…..
Gebranntes Leid stockt in der Totenmühle,
Geduckte Leiber dünsten, grell verwühlter Wust
Verquert sich feucht verschmiert in schlimmer Kühle,
Von Feuer schwelend staubig überrußt,
Und irres Kreischen, wahnzerschlißnes Treiben
Zerritzt den scharf gefleckten Tag, in Stück und Bruch
Verkrümeln Hände klamm vor Gitterscheiben,
Und Hunger knister in ein Tränentuch
…..
An Bettina
…..
Der Weg ist sanft, und jeder Schritt bewußt
Im Traume noch. Ganz anders in der Welt
Ersprießt Gesang. Hier auf dem Weg keimt Lust,
Viel Spuren leuchten auf vertrautem Feld.
Vertraut steigt sichtbar aus dem Schimmerblust
Die Zukunft aufgeweckt, verheißend hält
Sie treue Wacht. „Nimm hin!“ Frei wird die Brust
Im Sommersegen, froh ihm zugesellt.
…..