RIHA, Karl



Sonett


so weit so gut so zart so nett

so viel so kurz so stein so brett

so voll so leer so schwarz so breit

so still so klar so fluß so zeit


so rat so tat so weiß so heiß

so hart so spitz so preis so fleiß

so spiel so ball so ziel so grell

so kopf so zahl so sinn so hell


so fort so dann so bald so schall

so hieb so stich so spalt so prall

so zier so starr so form so streng


so blut so blitz so ritz so knall

so hall so bild so fuß so fall

so reim so leim so kunst so eng



programm-sonett II


ich bin ein wilder sonettist

ein wortverdreher / casuist

ein flotter reime cavallerist

laut-signalist und -alarmist


ich bin ein strenger sonetteur

ein wort- und sinn-compositeur

nach coeur und flair ein voyageur

ein laut- und silbenparfumeur


ich bin ein stiller sonnestast

in mich gekehrt / ein sprachphantast

der alles dies in strophen fasst


ich bin zum schluss ein sonnetant

ein laut- und wortemusikant

der verse zählt und reime spannt



Ätherstrophen


Jetzt muß ich aus der großen Kugel fallen.

Dabei ist in Paris ein schönes Fest.

Die Menschen sammeln sich am Gare de l’Est

Und bunte Seidenfahnen wallen.

Ich aber bin nicht unter ihnen.

Ich fliege in dem großen Raum.

Ich mische mich in jeden Traum.

Und lese in den tausend Mienen.

Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer.

Mich hypnotisiert sein letzter Blick.

Wir sehnen einen Sommertag zurück…

Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer…