CHIELLINO, Gino



Bahnhof


I


In der Anonymität

der Bahnhöfe

wo

Warten für uns

ein Zuhause

ist

sprechen

wir

mit jedem

wie

auf dem Platz eines Dorfes


II


ich sitze

met meiner schwarzen Mütze

auf dem Bahnhof

und lausche

der Sprache der Züge



Flußlandschaft


Die Erle am Fluß

in der Sonne und schattig

entzweit die Seele.


Im Sand die Viper

von der Sonne versteinert

zu Angst in meinem Herzen.


Gerade über den Ginsterbusch lauert

der Falke.


Der Kaiser und die Blumen


Mit seinen Hofmusikanten

geht der Kaiser

die Frühlingsblumen

begrüßen


Um den Hunger

zu vergessen

singen

die Untertanen mit


Das Gelb der Telefonzellen, Briefkästen und Raps.


Gelb wie Telefonzellen, Briefkasten und Raps

Zwischen Ankommen und Leben war

die Trennung stets gelb und immer greifbar.

Im Lauf der unsicheren Jahre

bekam das Gelbe Risse.

Aus ihnen sprangen hervor

Gesichter, Lächeln und Wörter.

Hinter der trennenden Mauer waren

Kirchenlieder zu hören,

Kerzen stürzten Türme ein,

Autos führten in die Freiheit.

Nun lebe ich ohne Gelb, ohne Trennung,

und die Unruhe treibt mich nicht mehr an.



Die Heimat


ist kein Stück Land

das

entwurzelt

hinter der Abfahrt

zurückbleibt


Die Heimat

ist

ein Teil der Entscheidung

sie kommt mit.


In der Fremde

lebt sie mit ihm zusammen

weiter.



Beim Aufwachen


In der Märzsonne findet sich kein Halt,

mit grünen Winden bringt sie

die Wahrheiten des Winters zum Einsturz.


Beim Aufwachen begleitet mich

das Klirren nächtlicher Bilder,

und zwischen den Birken wächst das Rot.


Gegen die einbrechende Unruhe vor fremden Tagen

verschmilzt in mir das Rot aus den Birken

mit der Stille deiner Augen



Jandeln für Ausländer


ich wandel

du handelst

er jandelt

oder sie jandelt

wir mandeln

ihr gandelt

sie jandeln

oder auch nicht



Meine Fremde


Meine Fremde ist ein Ort

sie liegt Nord

Nord-West von mir

Sie heisst Deutschland.


Meine Fremde ist eine Zeit

sie geht durch mich hindurch

und wird zu Geschichte

an einem Ort, wo

Erzählungen aus dem Leben

von Webern und Teppichknüfern

sich zu Arabesken schlingen

wo selbst die Schatten

zu Farben werden

dort ist meine Fremde


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mit dem ruf der Kraniche

sind keine Nischen zu hauen in die Luft


das Wasser holt stets den Vorsprung

der Salme ein und verwischt ihre Sprache


die Wühler dürfen sich behaupten in der Erde

vorausgesetzt sie verlassen die Labyrinthe nicht


mit ihnen sind wir vertraut und das Feuer

verschont kein Lebewesen

sich die Fremde nehmen und nicht

sich einschmelzen lassen


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denken ist

erzählen vom Grossen Wagen

jenseits der Sackgasse

sei zuversichtlich

am ionischen Ufer

lacht weiter das Wasser

bei Landwind und

ohne dich